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Monat: Oktober 2015

Das Leben in Exeter (UK)

4. Oktober, 8 Uhr morgens. Der SBB-Zug fährt nach Zürich, besser gesagt nach Kloten, zum Airport. Wieso eigentlich so früh, wenn der Abflug erst 12:10 ist? Ach, Schule.

Die Sprachreise nach England stand vor der Tür. Begonnen hats mit einem lustigen Mix aus Gefühlen. Einerseits hatte man Bedenken, wie die Gastfamilie sein wird, ob man an einem guten Ort unterkommt, anderseits war man aber auch total gut gelaunt, weils 2 Wochen nach England ging. Dort wohnen, dort leben, Engländer sein.

Normalerweise dauert mein Flughafenaufenthalt 1-2h, ohne Check-in-Gepäck manchmal auch weniger. Da wir aber weder ein PNR noch sonstige Angaben zum WebCheckin bekommen hatten, mussten wir an den Gruppenschalter. Ich kann mir nicht erklären, wie man eine Stunde fürs Checkin braucht, die Tickets fast vergessen kann und mit den Ausweisen aller Schüler rumlaufen kann. Aber eben, Organisation der Lehrer. Nachdem dieses Chaos dann geregelt war gings am Airport relativ flott und schon bald hob der Flieger ab nach London Heathrow. Dort angekommen kurz den Pass in den Selfservice-Einreiseautomat gehalten und ich war drin, wieso auch anstehen?

Die SIM-Karte von EE gabs aus dem Automaten und so war meine Dauerverbindung ins Netz gesichert. Ja, ich bin ein Suchthaufen. Aber schon auf der Busreise nach Exeter, welche ca. 4-5h dauerte wars von Nutzen, es wurde nie langweilig.

In Exeter angekommen wurden wir auch schon von den jeweiligen Gastfamilien abgeholt. Meine Gastmutter war echt genial und wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander. Ich habs auch schon nach 3 Minuten da geschafft, mich als „nicht-Engländer“ zu outen, indem man davon ausgeht, dass die Autos das Steuerrad auf der gleichen Seite haben wie wir. (England hat den Linksverkehr.)

Zum Haus gings dann relativ schnell, typische englische Häuser, so richtig gemütlich. Mein Zimmer war relativ klein, aber extrem gemütlich. Einer TV, Internet, ein bequemes (!) Bett und abends gabs wirklich gutes Essen. (Was man ja in England nicht immer erwarten kann *man munkelt*) Die Busstation war direkt vor dem Haus und somit war der Schulweg oder abends ins Pub auch kein Problem. Aufstehen musste man erst um 8, welcher Unmensch würde in England auch auf die Idee kommen früher mit der Schule anzufangen? Niemand. Also perfekt für mich, da ich überhaupt kein Frühaufsteher bin.

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Mein Zimmer bei der Gastfamilie

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Meine Sicht jeden Morgen beim aufstehen

Die Schule war gut, die Lehrer nett und motivierend. Auch wenns vom Schwierigkeitsgrad nicht wirklich anstrengend war. Die Gastfamilie beurteilte mein Englisch als „excellent“, jedoch sei’s das US-Englisch vom Akzent her. Dies bestätigte dann später auch das Diplom. Nice to hear, right?

Die Abende haben wir eigentlich alle in Pubs verbracht, was jeden Tag tolle Momente geschaffen hat. Ein (zwei, drei..) gutes Bier oder einen Gin-Tonic und der Abend konnte beginnen. Die einen spielten Karten, die andern unterhielten einander. Die Preise waren für das sonst relativ teure England total okay, aber ich glaube aus Schweizer Sicht wird das etwa überall der Fall sein..

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Eine heisse Schokolade nach der Schule

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Die „Kuppel“ des Imperials Pub

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Meine Schule, Globe English Centre

Die zwei Wochen vergingen wie im Flug. Es war echt genial und ist sehr empfehlenswert. Exeter ist eine wunderschöne Stadt mit vielen Pubs und anderen Aktivitäten, welche man nutzen kann. Es gibt auch viel zu shoppen, wenn man will. Exeter ist keine Touristenstadt, ergo findet man fast keine Souvenirs, wenn mans mit London vergleicht. Das Wetter hats fast immer gut gemeint, somit gabs nur etwa an zwei Abenden Regen.

Der Rückflug war dann schon fast unspektakulär, da wir das Checkin und somit WebCheckin selber machen konnten. Wenige Klicks, Handyticket, Gepäckabgabe, durch die Kontrolle und Abflug. Easy.

– Jan, 25. Oktober 2015

Der Wahlkampfzirkus

Der Wachhund ‚Willy‘ zeigt Misstände in der Politik auf, die Partei hält ein Ständchen und legt mit einem freshen Turnup-Electrotrack (oh god..) nochmals einen drauf.. Welcome to SVP, meine Freunde!

Willy

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Das Konzept ist einfach. Ein süsser Berner Sennenhund schaut übers „Schweizer Vaterland“ und beobachtet mit einem scharfen Auge die Politik. Oh, was sehen wir denn da? Einen Misstand!
Das ganze funktioniert schon seit dem Kindesalter. Wem hören die Kinder lieber zu? Einem langweiligen Politiker oder einem süssen Hundi, welcher sogar doch das Land bewacht? Der Fall ist klar. Dass dies aber in einer Partei verwendet wird, welche theoretisch 18+ ansprechen sollte, ist doch erstaunlich.
Funktionieren tuts auf magische Weise trotzdem, anscheinend so gut, dass der Hund sogar als Plüsch-Wauwau in den Musikvideos mitmachen kann. Man frage sich warum..

Die Musikvideos
Als erster Hit wird „wo e Willy isch, isch ou e Wäg!“ aufgelegt. Übersetzt heisst das soviel wie „wo ein Willy ist, ist auch ein Weg“. Willy ist mit zwei Bedeutungen belegt: einerseits ist Willy der Name des oben gennanten Wachhundes, andererseits ist es ein Wortspiel auf „Wille“. Interessant, dass dieser eigentlich vielversprechende Slogan nur dort zur Anwendung kommt, wo’s der Partei gerade passt.
Das Musikvideo ist im ländlichen traditionellen Musikstil gehalten. Hinterlegt wird die Musik mit einem Hundewelpen und Landmaschinen, welche durch die Landschaft cruisen. Zielgruppe: die eher ländlichen Mitmenschen, ergo ein Grossteil der SVP’schen Wählerschaft. Das ganze hat nur einen Haken: nicht alle Jungen, auch auf dem Land, sowie alle aus eher städtischen Regionen sind eher auf dem ’neuen‘ Electrotrip. Ein neuer Song musste her.

Das mit den 0815-Electrobeats unterlegte Stück mit dem Titel „Welcome to SVP“ kam zum Vorschein. Die hohen Köpfe der Partei stehen dabei im Anzug & RayBan Wayfarer nebeneinander und tanzen/trällern den Song mit. Zwischendurch gibts Videosequenzen mit Anspielungen auf momentan aktuelle Parteiprobleme wie zB. das gescheiterte Kampfflugzeugprojekt „Gripen“ oder aber der Sex-Skandal mit der Tante in grün, welche angeblich unter KO.-Tropfen Sex mit einem SVP’ler (oder zwei, man munkelt) hatte.

Eigentlich eine lustige Idee, muss man schon zugeben. ABER: Es geht hier um den Wahlkampf. Es geht um die Politik eines Landes in einer fast direkten Demokratie. Sich durch unterschwellige Botschaften und Arschgekrieche durch Musikvideos und süsse Hündchen Wählerstimmen zu ergattern, ist weit weg von Gut und Böse. Es wird nicht mehr mit Argumenten politisiert, nein, es ist eine reine Unterhaltungsshow. Ein DSDS-Casting sozusagen. Wer will schon sehen, wie Syrer erschossen werden? Ein Wauwau welcher über eine Wiese hüpft ist doch viel süsser! *cough*

Auch Parolen wie „frei bleiben“ feuern das ganze sehr gut an. Ich bin kein Fan eines EU-Beitritts. Ich bin aber auch kein Fan davon, uns davon zu entfernen. Wir brauchen die EU & die Verträge, die wir mit ihr haben. Diese einfach so aufzugeben, wär fatal. Denn solche Abkommen bekommen wir nie wieder, wir würden uns quasi zu einem Beitritt zwingen. Aber hey, wer zu faul ist genau zu lesen, was abgeht macht doch gern bei einer Parole mit, „frei bleiben“ klingt doch super!

Ich sage nicht, dass die SVP alles falsch macht. Im gegenteil, ich sehe einige Punkte als gerechtfertigt. Aber den Wahlkampf in einen Zirkus zu verwandeln, finde ich dämlich und lenkt von der eigentlichen Problematik ab.

 

Dieser Artikel wurde vom Handy aus geschrieben und wird später noch korrigiert. Grüsse aus dem United Kingdom!

– Jan, 10. Oktober 2015

Der Sommer meines Lebens

Vorwort: Dieser Artikel wird in mehrere unterteilt, da sich sehr viel ereignet hat. Es wird noch einen Artikel zu meiner USA-Reise und zum kommenden Sprachaufenthalt in Exeter (UK) geben. Stay tuned!

Freitag, 15:30. Die Arbeit wird niedergelegt und der Interregio der SBB steht auch schon in Rotkreuz bereit. Erstes Ziel ist Zürich, wo nochmals der Koffer mit irgendwelchen Fressalien gefüllt wird. Man will ja schliesslich nicht im Railjet verhungern.

Der genannte Railjet der ÖBB wird mit dem Zielort St. Pölten bestiegen. Eigentlich erstaunlich, dass ich nicht schon früher in diese Gegend gefahren bin. Sonst wird ja die Welt auch fleissig erobert durch meine Reiselust. Vom Railjet selbst bin ich ziemlich erstaunt. Sehr modern, kostenloses WLAN und die Leute sind auch alle total locker.

Railjet am Zürich HB

Die 7h Fahrt gingen relativ schnell vorbei, wird wohl an der riesigen Vorfreude & Netflix gelegen haben. Zweiteres hat auf dem Netz auch super funktioniert, wenn man die Stunde durchs EDGE-Land aka. Bayern nicht zählt. In St. Pölten angekommen stand da auch schon Christoph (@verspet), der sich trotz meiner relativ späten Ankunftszeit an den Bahnhof bewegt hat, um mich abzuholen. Auch durfte ich einen Teil der Familie kennenlernen, schöne Momente. Auch wenn ich mich mit dem Dialekt in Niederösterreich manchmal ein wenig schwer getan hab. Schweizerdeutsch kann ja schliesslich auch nicht jeder. :P

Am Samstag war dann Wien auf dem Plan, wo schon Julian (@sounlustig) auf uns gewartet hat. Auch Raphael (@raphaelniedy) & Laurel (@LaurelKoeniger) kamen dazu. Durch unsere exzellente Touristenführung durch Julian und auch den anderen hab ich sehr schöne und tolle Orte wie zB. das Schloss Schönbrunn, das Parlamentsgebäude oder auch alle Parks und Strassen gesehen. Wien ist echt empfehlenswert. Auch die Unterhaltungen waren toll, aber wie könnte das bei mir als Labertasche anders sein.

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Schloss Schönbrunn

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Parlamentsgebäude

Beim Schloss Schönbrunn ist auch mein Lieblingsbild der ganzen Reise entstanden. Hierbei nochmal ein riesiges Dankeschön an Julian! Warum mir dieses Bild so gefällt? Einerseits, weils einfach ein geniales Bild ist und andererseits weil ich endlich ein Bild zusammen mit einem Menschen hab, den ich zu meinen allerbesten Freunden zähle. Sowas ist unbezahlbar und einzigartig. Da ist jegliche Distanz egal. Falls du’s hier liest, danke für alles. <3 #jalix
(Dazu auch „BARFUSS AUF WOLKEN“ in Christoph’s Blog.)

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Sonntag gings dann auch schon weiter vom Flughafen Wien-Schwechat nach Berlin-Tegel, wo mich Leslie (@lesliepumm) in Empfang genommen hat. Erstmal zu Mecces, man will ja schliesslich nicht verhungern. Wie ichs mir von der Kombination Jan, Leslie und andere Menschen immer in Errinnerung hab, entstehen da immer die besten Gespräche, welche mich ab und zu so fest zum Lachen bringen, dass das halbe Restaurant unterhalten wird.

Vom Pummeluffministerium aus gings am nächsten Tag dann auf Entdeckungstour durch Berlin. Berlin hatte für mich schon immer etwas Magisches. Du kannst sein, wer du bist und niemand stört sich dran. So viele verschiedene Kulturen, so viel Kreativität, so vielseitig. Es ist toll. (Auch durch Projekte wie die LARecords. Anschauen!)

Durch das U-Bahn Netz ist man schnell von A nach B gereist, jedoch ist es auch zu Fuss ganz gut vernetzt. (Habe ca. 20km gemacht.) Der Berliner Fernsehturm, das Brandenburger Tor, das Holocaustdenkmal, das Reichstagsgebäude, die verschiedenen Botschaften und auch die East Side Gallery sind wundervolle Orte.

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Der Berliner Dom

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Die East-Side-Gallery

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Das Holocaustdenkmal

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Das Brandenburger Tor

Auch der Ausflug auf den Teufelsberg bleibt in toller Errinnerung. Die Aussicht von da oben ist unglaublich. Man sieht über ganz Berlin, kann die Stadtteile unterteilen und der Fernsehturm ragt hoch über die Häuser hinaus. Auch in die entgegengesetzte Blickrichtung bleibts spannend. Dort steht die ehemalige Spionageanlage der NSA. Hätte ich gerne besucht, doch leider haben dies die Öffnungszeiten nicht zugelassen. Gegen Abend zu kam dann noch die Faszination der „Lost Places“, also verlassene Orte, zur Sprache. Gesagt getan, das verlassene Schwimmbad in Pankow wurde besucht. Ein echt bedrückend gruseliger Ort, wenn man vergessen hat, dass im Frühherbst die Sonne auch schon früher untergeht und man im Dunkeln dort rein muss.

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Am letzten Abend wurde dann noch mit Leslie, Martin (@mc_heinecke)Patrick (@patricklnz) in Kreuzberg was getrunken, später hat sich der Anlass dann zur Homeparty im Pummeluffministerium verwandelt. Lustig wars!

Auch das Wiedersehen mit meiner früheren Schulklasse INF4ABM war toll. :) (Nein, ich spiele kein Uno.)

Alles in allem ein wunderbar toller Aufenthalt in Berlin. Zurück gab es für mich zwei Optionen. Die eine wäre, mit der DB ca. 8h im ICE zu sitzen. Kostenpunkt: 85€. 8h.. unbequem, langsam und teuer. Option 2: Berlin sowie die Schweiz besitzen Flughäfen. Der Flughafen Schönefeld aka. DDR-Airport besitzt eine direkte Flugroute für 60€ nach Basel. Perfekt also. Nur eine Stunde Flugzeit und dann noch billiger. Mein 63. Flug war somit gebucht.


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Mein Flugbuch (anklicken, um es genau zu sehen.)

In Basel angekommen war dann meine Reise wieder vorbei. Wunderschöne Errinnerungen. Wundervolle Menschen. Keine Sekunde schlecht gelaunt. (Gut, der Abschied in Wien war schrecklich, aber ich komme ja wieder. :3 )


K.I.Z. – Hurra die Welt geht unter (Track dieser Zeit, liebe es. <3)

Danke an euch alle! Ihr habt mir wunderschöne Lebenszeit geschenkt!

– Jan, 01. Oktober 2015