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Der Wahlkampfzirkus

Der Wachhund ‚Willy‘ zeigt Misstände in der Politik auf, die Partei hält ein Ständchen und legt mit einem freshen Turnup-Electrotrack (oh god..) nochmals einen drauf.. Welcome to SVP, meine Freunde!

Willy

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Das Konzept ist einfach. Ein süsser Berner Sennenhund schaut übers „Schweizer Vaterland“ und beobachtet mit einem scharfen Auge die Politik. Oh, was sehen wir denn da? Einen Misstand!
Das ganze funktioniert schon seit dem Kindesalter. Wem hören die Kinder lieber zu? Einem langweiligen Politiker oder einem süssen Hundi, welcher sogar doch das Land bewacht? Der Fall ist klar. Dass dies aber in einer Partei verwendet wird, welche theoretisch 18+ ansprechen sollte, ist doch erstaunlich.
Funktionieren tuts auf magische Weise trotzdem, anscheinend so gut, dass der Hund sogar als Plüsch-Wauwau in den Musikvideos mitmachen kann. Man frage sich warum..

Die Musikvideos
Als erster Hit wird „wo e Willy isch, isch ou e Wäg!“ aufgelegt. Übersetzt heisst das soviel wie „wo ein Willy ist, ist auch ein Weg“. Willy ist mit zwei Bedeutungen belegt: einerseits ist Willy der Name des oben gennanten Wachhundes, andererseits ist es ein Wortspiel auf „Wille“. Interessant, dass dieser eigentlich vielversprechende Slogan nur dort zur Anwendung kommt, wo’s der Partei gerade passt.
Das Musikvideo ist im ländlichen traditionellen Musikstil gehalten. Hinterlegt wird die Musik mit einem Hundewelpen und Landmaschinen, welche durch die Landschaft cruisen. Zielgruppe: die eher ländlichen Mitmenschen, ergo ein Grossteil der SVP’schen Wählerschaft. Das ganze hat nur einen Haken: nicht alle Jungen, auch auf dem Land, sowie alle aus eher städtischen Regionen sind eher auf dem ’neuen‘ Electrotrip. Ein neuer Song musste her.

Das mit den 0815-Electrobeats unterlegte Stück mit dem Titel „Welcome to SVP“ kam zum Vorschein. Die hohen Köpfe der Partei stehen dabei im Anzug & RayBan Wayfarer nebeneinander und tanzen/trällern den Song mit. Zwischendurch gibts Videosequenzen mit Anspielungen auf momentan aktuelle Parteiprobleme wie zB. das gescheiterte Kampfflugzeugprojekt „Gripen“ oder aber der Sex-Skandal mit der Tante in grün, welche angeblich unter KO.-Tropfen Sex mit einem SVP’ler (oder zwei, man munkelt) hatte.

Eigentlich eine lustige Idee, muss man schon zugeben. ABER: Es geht hier um den Wahlkampf. Es geht um die Politik eines Landes in einer fast direkten Demokratie. Sich durch unterschwellige Botschaften und Arschgekrieche durch Musikvideos und süsse Hündchen Wählerstimmen zu ergattern, ist weit weg von Gut und Böse. Es wird nicht mehr mit Argumenten politisiert, nein, es ist eine reine Unterhaltungsshow. Ein DSDS-Casting sozusagen. Wer will schon sehen, wie Syrer erschossen werden? Ein Wauwau welcher über eine Wiese hüpft ist doch viel süsser! *cough*

Auch Parolen wie „frei bleiben“ feuern das ganze sehr gut an. Ich bin kein Fan eines EU-Beitritts. Ich bin aber auch kein Fan davon, uns davon zu entfernen. Wir brauchen die EU & die Verträge, die wir mit ihr haben. Diese einfach so aufzugeben, wär fatal. Denn solche Abkommen bekommen wir nie wieder, wir würden uns quasi zu einem Beitritt zwingen. Aber hey, wer zu faul ist genau zu lesen, was abgeht macht doch gern bei einer Parole mit, „frei bleiben“ klingt doch super!

Ich sage nicht, dass die SVP alles falsch macht. Im gegenteil, ich sehe einige Punkte als gerechtfertigt. Aber den Wahlkampf in einen Zirkus zu verwandeln, finde ich dämlich und lenkt von der eigentlichen Problematik ab.

 

Dieser Artikel wurde vom Handy aus geschrieben und wird später noch korrigiert. Grüsse aus dem United Kingdom!

– Jan, 10. Oktober 2015

Published inAllgemein

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