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Zwangsmilitär, Sexismus und meine tollen 3%

Wohoo – der olle Simulant nicht-Rekr. Meier beginnt zu meckern, weil er das erste mal seine Dienstpflichtsersatzabgabe zahlen muss. Ja – berechtigt. 

Der wunderschöne Brief der Schweizerischen Eidgenossenschaft lag vor einigen Wochen in meinem Briefkasten. Sollte eigentlich mal lesen, bis wann ich das bezahlt haben muss. Eine Nachzahlung gibts sowieso, weil meine Steuerabrechnung noch nicht berücksichtigt wurde und ich mit meinem Lohn definitiv mehr als nur 400.- zahlen muss.

Darf ich mich darüber überhaupt aufregen? Ich hatte schliesslich inoffiziell die Wahl, ins Militär zu gehen oder Untauglich/doppelt Untauglich zu sein. (Was heute echt nicht mehr schwer ist.) Meine Antwort ist eindeutig Ja. Ich habe bei der Abstimmung für die Abschaffung der Wehrpflicht gestummen und finde das Konstrukt einer Armee, welche ganz klar nicht nur verteidigend Ausgebildet wird, komplett daneben für ein „neutrales“ Land.

Meiner Ansicht nach wäre es für die Schweiz am sinnvollsten, eine Armee zu besitzen, welche sich auf den Bevölkerungsschutz & Katastrophenhilfe spezialisiert. Panzer, Granatenwerfer und all dieser Bullshit kann man direkt in die Tonne treten. (Oder an Kriegstreiberstaaten verkaufen – gell Ruag?)

*Nachtrag: Ja, ich weis selber, dass wir uns in einem Kriegsfall nicht mehr neutral verhalten könnten, da wir auf EU-Hilfe angewiesen wären. Unmotivierte Rekruten dafür einzusetzen bringt dennoch nichts – rein eine Armee aus Freiwilligen wäre da eher „sinnvoll“.

Aber was ja zu erwarten war, die Dienstpflicht wurde nicht abgeschafft – zu gross war der Wiederstand all deren, die noch was auf den „Prestigewert“ unserer Armee setzen. Hitlergruss & Aufforderung zur Häuslichen Gewalt sind doch sicher super fürs Image der „besten Armee der Welt“.

Ja, auch das Militär und die Ausbildung da hat seine guten Seiten. Jedoch stimmt für mich die Gewichtung und die allgemeine Organisationsstruktur überhaupt nicht.

Soweit – so gut. Ich zahle jetzt halt die 3% des Lohnes. Was mir aber neuerdings auf den Geist geht – und da muss ich jetzt einen etwas schroffen Themenumbieger machen – ist dieses Rosinenpicken der Frauenrechtler.

Vorab gesagt: Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass jeder Mensch – egal ob Mann oder Frau – die genau gleichen Rechte und Pflichten haben muss. Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit, gleiche Rechtsstellung im Gesetz, etc. Geschlechterneutrale Gesetzgebung.

Was ich aber nicht verstehe ist, dass ich Dienstersatz zahlen muss und durch den ganzen Rekrutierungsprozess musste, während er für Frauen freiwillig ist. Meiner Ansicht nach muss jeder, der Gleichberechtigung will, auch die gleichen Pflichten erfüllen. Die Aussage, dass Frauen ja weniger verdienen und daher nicht müssen ist Bullshit. Nicht, weils nicht stimmen kann. Es geht darum, dass dies eine „Mami! Ja aber er macht das auch!!“-Aussage ist. Dass die Wehrpflicht für Frauen nicht gilt kommt rein nur davon, dass früher die Aussage galt, dass „Frauen an den Herd gehören und keine harte Arbeit machen können“. Die heutige Auslegung ist rein nur eine beschönigte Version davon – die zum Vorteil ausfällt.

Dass ich diese 3% Zahlen muss, nur weil ich einen Penis habe, ist für mich auch eine Art von Sexismus. (und alle, die jetzt mit „Du bist priviligiert, gegen dich kann es keinen Sexismus/Rassismus geben“ kommen – bitte geht weg.) Dieses ach-so-typische zentraleuropäische (ich möchte da jetzt keine spezifischen Länder nennen) selbstschlechtreden geht mir sowieso tierisch auf den Geist. Ja, wir sind priviligiert und haben ein Scheissglück, hier geboren zu sein. Das macht uns aber nicht schlecht und sollte und schon gar nicht irgendwelche Rechte nehmen – zum Beispiel, sich auch wehren zu dürfen, wenn man diskriminiert wird. (Ja, auch das gibts, auch wenns nie so schlimm ist/war, was unsere Vorfahren anderen Völkern angetan haben)

Meinungen sind wie immer gerne gesehen. :)

– Jan, 12. Mai 2017

Published inAllgemein

Ein Kommentar

  1. ManuCH ManuCH

    Zur Abwechslung bin ich mit deinem Artikel nur zu etwa 50% einverstanden.

    Ich bin der Meinung, dass auch ein neutrales Land eine Armee braucht. Leider braucht es dazu auch „Panzer, Granatenwerfer und all dieser Bullshit“ – denn nicht aller Krieg ist virtuell (auch heute noch nicht). Diese böse Artillerie wird auch von einem neutralen Land benötigt, für den Fall (obwohl es sehr unwahrscheinlich ist), dass es mal angegriffen wird – so wie das früher (zur Steinzeit und so) der Fall war. Oder wie es heute noch bei den Religionsfanatikern der Fall ist.
    Uns für die Verteidigung auf benachbarte „Freunde“ zu verlassen macht uns per Definition nicht mehr neutral!
    Unsere Neutralität ist mir hoch heilig, und die können wir nur beibehalten, wenn wir bei der Verteidigung unabhängig sind. Dass wir das mit Profis machen sollten und nicht mit unfreiwilligen Rekruten, da sind wir uns allerdings wieder einig.

    Zu 100% einig mit dir bin ich beim 2. Teil deines Blog-Eintrags. Ich habe mich köstlich amüsiert beim Lesen. Und ja, wenn es eine Militärsteuer gibt, dann sollte diese für alle gleich sein! Es gibt keinen Grund mehr, weshalb diese Geschichte nur auf männliche Wesen eingeschränkt sein soll heutzutage.
    Vor allem nerven mich die Ausreden der Feminist*innen (man beachte das ironische Sternchen). Denn wenn sie wegen dem tieferen Lohn nicht bezahlen müssen, dann müssten ja auch alle Tessiner nichts bezahlen, da sie bekanntlich den tiefsten Schweizer Lohndurchschnitt haben. Und so weiter, man kann es ad absurdum treiben.

    Bevor mich jetzt jemand beleidigt: ich bin der Meinung, dass Löhne anhand von Kompetenzen, und nicht vom Geschlecht definiert werden sollten. Das ist in unserer Branche zum Glück auch der Fall. Dass es leider noch nicht überall so ist, ist mir bewusst, und ich hoffe, dass sich das noch ändern wird.

    Schönen Tag noch :)
    @ManuCH

    Hey Manu! Das stimmt schon, ich werde dies noch nachtragen. Klar, am „neutralsten“ wären wir, wenn wir all diese Waffen nicht hätten – was aber schwierig ist. Gutes Beispiel deinerseits!

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