Wer hats noch nicht gehört? Alle die Flüchtlingsdramen, welche sich wöchentlich im Mittelmeer abspielen. Es ist eine wirklich schreckliche Situation, zu wissen, dass es Menschen gibt, welche ihre Heimat aufgrund von Gewalt gegen ihre oder andere Personen verlassen müssen. Für die Betroffenen ist dies natürlich nochmal extrem schlimmer.

Die grosse Frage: Wer ist schuld?
Von allen Seiten höre/lese ich immer wieder, dass „Europa“ doch endlich etwas machen muss, um diese Dramen zu verhindern. Sehr beliebt ist aktuell der Satz „Grenzen töten“. Hier beginnt meine Vorstellungskraft auch schon zu husten. Was genau an der Grenze tötet denn? Stehen in Italien Grenzbeamte, welche auf die Flüchtlinge schiessen? Ich denke nicht.

Das grosse Risiko bei diesen Mittelmeerüberfahrten ist doch die Fahrt an sich, dort liegt das grosse Problem. Die Schiffe sind oft nicht für solch weite Reisen ausgelegt bzw. werden von unqualifizierten Personen „gefahren“. Oft sind solche Boote auch völlig über ihre Kapazitäten belegt, was nochmals zu einem grossen Risiko führt. Genau da liegt doch das Problem! Es ist nicht die Grenze, welche für den Tod von unschuldigen Menschen verantwortlich ist, sondern die risikoreiche Überfahrt. Natürlich, die Menschen dort sind oft so verzweifelt, dass sie dieses Risiko auf sich nehmen, was irgendwie auch in gewissem Masse verständlich ist. Es wird dort bestimmt auch nicht immer die Wahrheit über die Überfahrt erzählt. Aber dann trotzdem zu sagen, dass Grenzen töten, kann ich einfach nicht verstehen.

Soll die EU bzw. Europa eine Fähre oder ein Kreuzfahrtschiff in Betrieb nehmen oder wie soll ich mir das vorstellen? Auch wenn die Grenze inexistent wäre, ist das Risiko der Überfahrt präsent. Alles andere ist doch schlicht und ergreifend einfach absolut nicht durchdacht. Klar, man könnte die Rettung nochmal überdenken und ausbauen, um das Sterben zu beenden. Aber eine längerfristige Lösung ist das definitiv auch nicht.

Meiner persönlichen Ansicht nach sollte viel mehr darin investiert werden, die Probleme vor Ort zu lösen anstatt darüber zu meckern, wie böse Europa doch ist. Ich denke auch, dass sehr viele Betroffene lieber in der Heimat bleiben würden, wenns dort keine solchen Probleme gäbe. Die ganze Existenz, das Umfeld und alles drumrum aufgeben stelle ich mir nicht so leicht vor. Somit kann man sehr, sehr, sehr viele Probleme vorbeugen, welche überhaupt bei und nach der Überfahrt entstehen können.

In eigener Sache
Ich darf mir sehr oft anhören, ich seie durch solche Aussagen und meine Ansicht ausländerfeindlich. (Wobei mein Herkunftsland sowieso immer pauschal als Sündenbock angesehen wird.) Dies stimmt überhaupt nicht. Ich bin der Ansicht, dass jeder Mensch auf dieser und jeglicher anderer Welt die gleiche Chance haben soll, an einem Ort neu anzufangen. Trotzdem braucht es Grenzen. Man kann nicht unendlich Leute in ein Land packen. Dies hat nicht gross etwas mit dem Platz zu tun, sondern schonmal grundsätzlich an gewissen Anforderungen. In der Schweiz oder auch Deutschland haben Berufe oftmals sehr hohe Anforderungen, welche erfüllt werden müssen. Wir haben hier das Riesenglück, eine solch gute Bildung geniessen zu können. Stellen wir uns jetzt aber vor, dass ein 40-Jähriger aus einem Land mit einem weniger guten Schulsystem hierher kommt. Wie gross ist die Chance, dieses Defizit jemals aufzuholen? Nicht wirklich motivierend. Wenn das jemand wirklich hinbekommt und macht, finde ich das genial und bin dafür, dass eine solche Person sofort integriert wird. Aber es ist halt nunmal nicht so einfach. Es sind noch viele kleinere Faktoren, welche schlussendlich zu meiner Entscheidung führen, dass alles im Masse bleiben soll.

Ich finde einfach, dass man, bevor man beim grossen Mob mitmacht, mal überlegen soll, wo das Problem überhaupt liegt. Aber in der grossen Masse mitmachen ist natürlich um ein vielfaches einfacher. Den Zeigefinger wedeln, wenn schon ein Sündenbock gefunden wurde ist nunmal eine sehr einfach gemachte Heuchelei.

Auch hier immer gerne euer Feedback, aber bitte mit Anstand. Dem Umfeld zuliebe.

– Jan, 21. Juni 2015